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thueringen

Geschichte

Thüringen im Herzen Vorarlbergs ist ein uraltes Siedlungsgebiet.
In seinem Zentrum liegt die heutige Landschaft "Blumenegg" mit ihrem Hauptort Thüringen.

Seit der Mitte des 5. Jahrhunderts ist in Chur ein katholischer Bischofssitz bezeugt. Der dortige Bischof war geistlicher und weltlicher Herr seines Bistums, zu dem auch der Walgau gehörte und "Churrätien" genannt wurde. Kaiser Karl der Große (Kaiser von 800 bis 814) zerschlug diesen „Kirchenstaat", beließ dem Churer Bischof nur einen geringen Teil seines bisherigen Besitzstandes und überführte den größeren Teil in den Besitz des Reiches. Diese Tatsache wird später im rechtspolitischen Status Blumeneggs ("Freie Reichsherrschaft") offenbar.

Die unter Karl dem Großen in Reichsbesitz übergegangenen Teile Churrätiens wurden um das Jahr 840 in einem Verzeichnis aufgelistet, das als „Reichsurbar von Chur" heute noch Aufschluß gibt über die damaligen Orte, Kirchen, Grundstücke und ähnliche Realien samt den daraus erfließenden Rechten (Steuern und andere Abgaben).

In diesem Urbar ist die Rede von „turigos cum ecclesia" – zu deutsch: Thüringen mit einer Kirche und dem Hinweis, daß damals in diesem Dorf fünf Hofstätten bestanden. Der zitierte Hinweis zwingt zu verschiedenen Überlegungen: Das Gebiet des Blumeneggischen muß schon christianisiert gewesen sein, die Kirche kann wohl kaum für nur fünf Hofstätten errichtet worden sein sondern muß einen weiteren Einzugsbereich gehabt haben, da durch diese Kirche ja auch Personalkosten aufliefen, und die Kirche wird wohl dort gestanden haben, wo heute die Pfarrkirche steht, weil sich das Dorf nachweislich am Dorfbach entwickelte und der Felssporn über dem Dorf der geeignete und würdige Platz für eine Kirche war. Jedenfalls ist für diesen Platz eine spätere gotische Kirche (Vorläuferin der heute bestehenden barocken Pfarrkirche) nachweisbar.

1522 zählt Thüringen 49 bewohnbare Häuser mit knapp 300 Bewohnern. Diese Zahl ist auch für das Jahr 1666 belegt und bleibt im wesentlichen unverändert bis etwa 1820.

Die in Reichsbesitz befindlichen Hofstätten, Dörfer, Kirchen und steuerpflichtigen Realien werden im blumeneggischen Raum mehr und mehr in einer Verwaltungseinheit zusammengefaßt, die, in ihrer Entstehungsgeschichte begründet, die Bezeichnung „Freie Reichsherrschaft Blumenegg" erhält. Die Herrschaft ist „reichsunmittelbar" das heißt, daß sie dem Kaiser unmittelbar untersteht, dem in allen Dingen das endgültige Entscheidungsrecht vorbehalten ist.

Die Herrschaft Blumenegg wurde durch die Jahrhunderte von verschiedenen Adelsgeschlechtern besessen. Ein adeliges Geschlecht derer von Blumenegg hat es nie gegeben. Zum Beginn des 13. Jahrhunderts ließ der (heute unbekannte) Herrschaftsbesitzer die Burg Blumenegg erbauen, die er seinem Statthalter als Regierungssitz überließ. 1405 wurde die Burg gebrochen, 1650 und 1774 brannte sie ab. Nach dem Brand von 1774 wurde die Burg Blumenegg nicht mehr aufgebaut. 1614 hatte das Reichsstift Weingarten bei Ravensburg die Herrschaft Blumenegg gekauft und bald darauf unterhalb der Pfarrkirche in Thüringen ein großes Amtsgebäude errichtet, in welchem der Statthalter des Weingartner Abtes seinen Amtssitz hatte. Die Burg Blumenegg war als Verwaltungsgebäude überflüssig geworden.

Das Amtsgebäude verlor seine Bedeutung, als das Kloster Weingarten 1802 säkularisiert und die ihm gehörige Freie Reichsherrschaft Blumenegg dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Oranien-Nassau überlassen wurde, welcher damit für seine Gebiete entschädigt wurde, die er links des Rheines an das napoleonische Frankreich verloren hatte. Schon 1804 kaufte das Kaisertum Österreich die Freie Reichsherrschaft Blumenegg als letztes Stück des Landes Vorarlberg. Die Verwaltung des neu erworbenen Gebietes ging (während der bayerischen Herrschaft 1805 – 1814) an das "Land- und Criminalgericht Sonnenberg in Bludenz" über und ist heute noch der Bezirkshauptmannschaft T H Ü R I N G E N Bludenz zugehörig. Das Amtsgebäude war damit funktionslos geworden, ging in private Hände über und steht heute – prachtvoll renoviert – im Eigentum einer Versicherung und dient als Wohnhaus.

Heute ist "Blumenegg" der Name einer Landschaft, die ob ihrer vielfältigen Schönheit diesen Namen wohl verdient. Dem Dorf Thüringen wurde 1929 ein Gemeindewappen verliehen, das auf dem weingarten´schen Wappen basiert.